System-Aufstellungen

Seit einigen Jahren leiten wir Aufstellungsseminare (auch «Familienstellen-Seminare» genannt) und lassen die systemischen Grundlagen und Methoden auch in unsere verschiedenen Coaching- und Lebensberatungsangebote für Einzelne und Paare einfliessen. Zudem bieten wir eine Ausbildung in Systemischer Aufstellungsarbeit und Coaching an.

Im Laufe der Zeit haben uns viele Menschen zum Thema «Aufstellungen» kontaktiert, mit ihren ganz individuellen Fragen und Hintergründen. Viele davon durften wir durch ihre Aufstellung im Gruppenseminar oder im Einzel- oder Paar-Coaching begleiten. Auf diese Weise kamen eine grosse Vielfalt an Fragen und ebenso viele Erfahrungen rund die Aufstellungsthematik zusammen.

Das «Phänomen Aufstellungen» ist nicht einfach zu erklären. Es ist uns deshalb ein Anliegen, Ihnen und einem breiteren Publikum auf dieser Seite strukturierte und verständliche Informationen zugänglich zu machen - aus erster Hand und von professionell arbeitenden Anbietern. Lesen Sie hier Rückmeldungen von Seminarteilnehmer.

Übrigens: Wir führen immer wieder Abendvorträge zu diesen Themen durch, die Terminübersicht finden Sie hier
 

Inhaltsverzeichnis

Was sind Systemische Aufstellungen?

"Sichtbar machen, was im Verborgenen wirkt, und dafür eine Lösung finden"

Gleich vorneweg: Es ist schwierig, die Systemische Aufstellungsarbeit umfassend zu erklären, am besten ist, wenn man es persönlich erlebt. Eine bekannte Kinesiologin und Aufstellerin brachte es treffend auf den Punkt: «Es ist nicht dasselbe, ob ich mir von einem Film erzählen lasse oder wenn ich ins Kino gehe und mir den Film selbst anschaue».

Genauso ging es mir, als ich zum allerersten Mal an einem Seminar teilnahm. Natürlich hatte ich vorher etwas darüber gelesen und auch von anderen Personen davon gehört – und natürlich war ich auch kritisch (und sehr unsicher, was da auf mich zukommen sollte!). Als ich jedoch schon nach kurzer Zeit als Stellvertreter in einer Aufstellung stand, begann ich Dimensionen zu erahnen und worum es wirklich geht und was es wirklich mit einem macht.

Gerade aus meiner eigenen ersten Erfahrung heraus verstehe ich das Bedürfnis nach ein paar einführenden Erklärungen.

Mit der Methode der Systemischen Aufstellungsarbeit (Familienstellen, Berufsaufstellungen, Entscheidungsaufstellungen, Organisationsaufstellungen, Strukturaufstellungen u.v.a.m.) können neue Einsichten im Zusammenhang mit Schwierigkeiten in der Familie, der Partnerschaft, in beruflichen Situationen, in einer Firma/Behörde, bezüglich der Gesundheit und im Kontext von schweren Schicksalsschlägen gewonnen werden. Durch diese neue Sichtweise können Lösungen gefunden werden, die auch ein leidvolles Schicksal wenden oder erleichtern können.

Es geht bei einer Aufstellung also darum, andere Sichtweisen zu erhalten auf das, was mein Leben und mein Verhalten in bestimmten Situationen aus dem Unbewussten heraus prägt. Was ist es, was mich traurig, krank, ängstlich, erfolglos, überschwänglich, gereizt, beziehungslos, todesmutig usw. macht? Weshalb tue ich gewisse Dinge obwohl ich sie gar nicht müsste? Weshalb tue ich gewisse Dinge nicht, obwohl ich sie müsste? Habe ich den richtigen Platz im Familiensystem? Prägt das Schicksal einer anderen Person in meiner Herkunftsfamilie mein Leben?
 

Formen der Aufstellungsarbeit

Gleichbedeutende oder artverwandte Begriffe: Familienaufstellung, Aufstellung, Familienstellung, Organisationsstellen, Brettaufstellung, Figuren-/Objektaufstellung.

Oftmals wird der Begriff "Familienstellen" als Synonym für Systemische Aufstellungen in Gruppenseminaren verwendet.

Häufigste Formen von Aufstellungen:

In Gruppenseminaren

  • Familienaufstellungen (Familienstellen, Aufstellungen zu Beziehungen, etc.)

  • Berufs- und Erfolgsaufstellungen (Karriereentscheide, Schwierigkeiten als Führungsperson oder im Team, Mobbingsituationen, Entscheidungen zu Veränderung, Selbstständig machen)

  • Themenaufstellungen (zB. Berufsthemen, Krankheit, mangelnde Energie, Entscheidungen, Blockaden, Ängste)
     

In der Einzelsitzung: Alle obigen Themen, aber in anderer Form, nämlich zusammen mit dem Coach mittels

  • Brett- oder Figurenaufstellungen

  • Aufstellung mit Bodenankern

  • Strukturaufstellungen
     

In der Unternehmensberatung: Mit Teams oder mit dem Auftraggeber alleine mittels Bodenankern, Symbolen, Figuren

  • Organisationsaufstellung

  • Teamaufstellungen

  • Strukturaufstellungen

Hier geht es meistens um Veränderungen in Struktur der Organisation, um Aspekte von Prozessen, Kultur. Dann aber auch im Strategiebereich um Geschäftsentscheidungen (Fusion, Abspaltung, neue Ausrichtung, etc.)

 

Das ist nur eine Auswahl der bekanntesten Bezeichnungen. Es gibt noch unzählige weitere Formen und Kombinationen, zB. mit anderen Therapieformen, zum Beispiel in der Psychokinesiologie, der Traumaarbeit oder dem Neuro-Imaginativen Gestalten.

Wichtig erscheint mir, dass bei allen Formen nicht nur Probleme zwischen Menschen Gegenstand des Anliegens sein können, sondern auch abstrakte Themen, wie zum Beispiel Todesangst, Schüchternheit, Rückenschmerzen, Erfolglosigkeit

Bei der Familienaufstellung geht es um Anliegen, welches eine individuelle Person betreffen, zum Beispiel Beziehungsprobleme, Ängste, Blockaden, Krankheit, Probleme am Arbeitsplatz. Die Person, welche ihr Anliegen gelöst haben möchte, muss jedoch davon betroffen sein (siehe auch wer kann eine Aufstellung haben).

Organisationsaufstellungen: Hier geht es um das Thema, welches einen Betrieb, eine Abteilung oder ein Gremium als gesamtes betrifft. Ziel einer Organisationsaufstellung kann sein, einfacher zusammenzuarbeiten oder bessere Resultate zu erzielen. Organisationsaufstellungen basieren auf ähnlichen Grundlagen wie das Familienstellen, haben aber ein paar zentrale andere Aspekte, die vom Leiter zwingend gekannt und berücksicht werden müssen. Aufstellungen für Klein- und Familienbetriebe fallen in der Regel eher unter das Familienstellen.

Brettaufstellungen werden auch als Figurenaufstellungen bezeichnet, weil sie auf einem Brett mit Figuren (Holzmanöggeli, Playmobil-Figuren, etc) gemacht werden. Diese Art Aufstellungsarbeit ist eine typische Form der Einzelberatung und für Klienten geeignet, welche aus bestimmten Gründen ihr Anliegen nicht in einem Gruppenseminar vorbringen und aufstellen möchten. An die Stelle des Seminarraums tritt meistens ein Brett, die Figuren dienen als Stellvertreter. Dabei entsteht ein intensiver Dialog mit dem Leiter und auch hier können gute Lösungen gefunden werden.

Objektaufstellungen sind im Grundprinzip das selbe wie Brettaufstellungen, nur dass die Mittel breiter gewählt sind: Anstelle des Brettes kann ein ganzer Raum verwendet werden, statt Figuren können beliebige Objekte aus dem Fundus des Therapeuten dienen.

 

Männer und Familienstellen (Berufs- und Lösungsaufstellungen)

Mehrheitlich sind es Frauen, welche am Familienstellen interessiert sind und sich zu Seminaren anmelden. Dabei sind Männer genauso Teil von Familiensystemen und haben eine ebenbürtige Rolle als Partner, als Vater und als Mann inne. Viele Frauen wünschen sich, dass ihre Männer ebenso Interesse am Familienstellen haben, weil sie es als Möglichkeit sehen, an so einem Seminar neue Impulse für die Ausgestaltung der Beziehung und gegebenenfalls Lösungsansätze für Paarkonflikte sehen. 

Glücklicherweise haben wir in unseren Seminaren oft einen vergleichsweise grossen Männeranteil.

Als Mann und aus meiner eigenen ersten Erfahrung mit dem Familienstellen kann ich die Zurückhaltung der Männer nur zu gut verstehen. Eigentlich beschäftigen uns innerlich viel mehr Themen, als wir nach aussen zeigen. Klar, da wären wir ja Schwächlinge, wenn wir zugeben würden, dass wir vieles gar nicht so im Griff haben, oder dass wir unglaublich viel Energie verbrauchen, um unser nach aussen sorgfältig aufgebautes Image aufrechtzuerhalten. Denn wir haben gelernt: Du musst hart arbeiten, gute Noten nach Hause bringen, viele Tore im Fussball schiessen, Leistung erbringen, kräftig sein, weiterkommen – dann bist Du richtig, dann bist Du gut, dafür kriegst Du Anerkennung. Aber: Du darfst nicht schwach sein, auch nicht traurig, nicht verlieren und weinen liegt überhaupt nicht drin, du sollst keine Schmerzen haben, innere Schmerzen schon gar nicht. Auf die Zähne beissen ist angesagt – denn sonst bist Du kein Mann, sondern ein Schwächling, ein Versager, ein Weichei.

Im Mix zwischen Beruf, Familie, Partnerschaft, Erziehung und eigenen Bedürfnissen wird es dann zunehmend schwierig, dem vermeintlich optimalen Bild des zielorientierten, hart arbeitenden und erfolgreichen Berufsmann, des verständnisvollen und zärtlichen Ehemanns, dem fürsorglichen und liebevollen Vater zu entsprechen…. Dabei hätte man(n) auch mal eine Schulter zum Anlehnen und Streicheleinheiten nötig!

Und deshalb sperren wir Männer oftmals Themen aus, die uns verunsichern. Wo wir nicht "unseren Mann stehen können" - bei denen die eingeschliffenen Muster nicht greifen. Wenn es um Gefühle geht und darum, unser wirkliches Befinden auszudrücken, dann wird es vielfach schwierig. Woher sollen wir denn wissen, dass das o.k. ist? Was wurde uns vorgelebt? Welche Unterstützung haben wir wirklich erlebt beim "Mann-Werden"?

Deshalb sind gerade Familienstellen-Seminare eine riesige Chance für Männer: Sie sind nicht an irgendwelchen höheren Lebensweisheiten ausgerichtet, sondern die Anliegen sind reale Themen aus dem Leben der Teilnehmenden, die Aufstellungen sind lösungsorientiert und es gibt eindrückliche Impulse für das eigene Leben. Der Rahmen unserer Seminare ist „Du bist richtig wie Du bist“ - für jeden Teilnehmer. In diesem urteilsfreien Ambiente können andere Sichtweisen erst möglich werden - zudem ermöglichen sich gute Gespräche und wertvolle Begegnungen mit den anderen Teilnehmern.

Mit dem Familienstellen können Männer entscheidende Einblicke haben, welche sie weiterbringen. Sie können sehen, welche Entwicklungschancen in der Partnerschaft, in der Erziehung und in der Gestaltung des eigenen Lebens bereit liegen.

Ich freue mich, Dich in einem unserer Seminare begrüssen zu dürfen – von Mann zu Mann
Herzlich, André

PS: Familien-, Berufs- und Lösungsaufstellungen können auch in Einzelsitzungen - oder ihm Rahmen eines begleitenden persönlichen Coachings erfolgen.

 

Aufstellungsseminare in der Gruppe

Die meisten Aufstellungsseminare dauern ein bis vier Tage. Vereinzelt gibt es auch Seminare am Abend. Man trifft sich in einer Gruppe ab acht bis zehn Personen in einem geeigneten Raum an einem geeigneten Ort.

An einem typischen Aufstellungstag finden vier bis sechs Aufstellungen statt. Es gibt aber auch Therapeuten, welche noch viel mehr Aufstellungen an einem Tag machen.

Der Seminarverlauf ist abhängig von

  • der zur Verfügung stehenden Zeit (Zeiten, Anzahl Pausen, Essenzeiten, etc.)

  • von der Aufstellungsphilosophie des Seminarleiters (nur einen Anstoss geben damit eine Lösungsdynamik entsteht oder erarbeiten eines Lösungsbildes)

  • der Dauer einer einzelnen Aufstellung (30 Minuten bis über eine Stunde)

  • einem allfälligen Rahmenprogramm mit Erläuterungen, Diskussion, Selbsterfahrungsübungen, Musik, etc.

 

Ein viel gestellte Frage ist, ob ein kurzes oder längeres Seminar „besser“ ist. Hier ein paar Fragen, die eine interessierte Person im Vorfeld klären und auf Übereinstimmung mit seinen Bedürfnissen, Wünschen, Möglichkeiten und Vorlieben überprüfen sollte.

  • Was ist mein Ziel: Kennenlernen des Familienstellens. Intensive Auseinandersetzung mit meinen Themen. Anstösse erhalten durch Lösungen, welche in Aufstellungen von anderen bearbeitet und gefunden werden.

  • Welchen Stellenwert hat für mich die Austauschmöglichkeit mit anderen Teilnehmern?

  • Wieviel Zeit kann und will ich für ein Familienstellen-Seminar aufwenden?

  • Wie hoch sind die Kosten für die Teilnahme am Seminar?

  • Welche zusätzlichen Auslagen für Hotel, Anreise und Verpflegung muss ich mit berücksichtigen?

 

Mitwirkende an einer Aufstellung in einem Aufstellungsseminar

Der Klient/Die Klientin

Diese Person hat ein Anliegen, welcher sie mittels einer Familienaufstellung betrachten und lösen möchte. Im nachstehend beschrieben Fall entscheidet sich der Klient für die bekannteste Form einer Systemischen Aufstellung: Eine Aufstellung in einer Gruppe im Rahmen eines Seminars (andere Formen sind an anderer Stelle beschrieben)
 

Der/Die Aufstellungsleiter/in

Hat eine fundierte systemtherapeutische Ausbildung und leitet die Aufstellung, beobachtet und beurteilt die sich jeweils ergebenden Situationen und findet – wenn es möglich ist – ein gutes Lösungsbild.
 

Die Stellvertreter/Innen (oft auch Beobachter/Innen genannt)

Diese sind wichtige Teilnehmer eines Aufstellungsseminars und stellen sich gegenseitig für die vom Klienten gewählten „Rollen“ zur Verfügung. Gerade für jemand, welche das Familienstellen kennenlernen möchte, ist die Teilnahme als Stellvertreter/In eine gute Gelegenheit.

 

Ablauf einer Aufstellung (beispielhaft)

  • Der Klient schildert dem Aufstellungsleiter sein Anliegen. Der Leiter der Aufstellung wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nach dramatischen Ereignissen in der Herkunftsfamilie fragen. Möglicherweise hat sich die Person zu Hause schon vorbereitet, sich mit seiner Familiengeschichte auseinandergesetzt und in einem sogenannten Genogramm festgehalten. Dies ist jedoch überhaupt nicht zwingend

  • Hat der Aufstellungsleiter genügend Informationen und ein Gefühl für sich abzeichnende Schwerpunkte erhalten, bittet dieser den Klienten, Stellvertreter für die involvierten Personen oder für das Thema aus den anwesenden Gruppenmitgliedern auszuwählen. Ebenso wählt die Person jemanden für sich selbst aus - wird also auch zum Beobachter der Dynamiken seines Systems.

  • Der Klient führt dann die Stellvertreter an einen Platz im Raum undstellt diese in Beziehung zu einander auf (daher der Name „Familienstellen“), dabei lässt er sich allein von seinem Gefühl leiten. Dann setzt er sich wieder und beobachtet die Reaktionen und Aussagen der Stellvertreter.

  • Der Aufstellungsleiter befragt die Stellvertreter, verändert möglicherweise deren Position, überprüft Aussagen und nimmt eventuell noch weitere Stellvertreter mit ins Bild. Ausgehend von dem, was sich zeigt wird er – wenn es möglich ist – auf eine gute Lösung hinzuarbeiten. Oftmals zeigt sich die gute Lösung von einer ganz anderen Seite, manchmal ist der Weg dorthin auch schwierig und belastend.

 

Wer kann eine Aufstellung haben?

In der Regel verlangen die Therapeuten von den Klienten, dass sie volljährig und in der Lage sind, die Verantwortung für sich selbst zu tragen. Eine normale psychische Belastbarkeit wird vorausgesetzt. Wenn Sie Medikamente nehmen, in ärztlicher oder psychiatrischer Behandlung sind, sollten Sie dies schon bei der Anmeldung mit dem Seminarleiter besprechen.

Grundsätzlich kann jede Person eine Aufstellung haben, wenn sie damit ein eigenes Thema betrachten möchte, von dem die Person selbst betroffen ist. Zum Beispiel: Häufiges Scheitern meiner Beziehungen 

Für jemand anderen eine Aufstellung machen wollen ohne dass man selbst direkt betroffen ist, wird von einem seriösen Therapeuten klar abgelehnt. Beispiel: Meine ältere Schwester hat ein so schwaches Selbstbewusstsein.

Selbstverständlich können jedoch Eltern für ihre Kinder eine Aufstellung machen.

 

Wer kann eine Aufstellung leiten?

Therapeuten, die über eine fundierte Ausbildung verfügen und verantwortungsvoll mit dem Klienten umgehen. Dabei ist es meines Erachtens essenziell, dass der Therapeut selbst an seinen eigenen „Themen“ aktiv gearbeitet hat (und es laufend tut).

Familienstellen hat nicht nur mit dem Kennen der Materie und der Prozessarbeit zu tun, sondern auch mit einer entsprechenden Haltung des Therapeuten:

  • Eine Haltung geprägt von Respekt und Achtung gegenüber dem Klienten als Menschen und Teil seines Familiensystems, unabhängig davon, was dieser getan hat oder was in seinem System vorgefallen ist; also frei von Verurteilung, Pauschalisierung und Wertung.
     

  • Es gibt keine Patentrezepte, jeder Fall ist so individuell wie die Person und dessen System. Jede Situation ist neu.
     

  • Respekt vor dem, was sich in der Aufstellung zeigt: Der Therapeut ist nur das „Instrument“ im Dienste dessen, was möglich ist.
     

  • Frei sein, den Seminarteilnehmern „etwas bieten“ zu wollen, d.h. unbedingt ein Resultat vorzulegen. Das heisst, seine eigenen Grenzen kennen und respektieren und auch die Entscheidung fällen können, eine Aufstellung abzubrechen.
     

  • Nicht helfen wollen, sondern dem Teilnehmer ein Lösungsbild aufzeigen und Impulse geben, damit dieser eigenverantwortlich bleibt - sonst droht nur eine Abhängigkeit zum Therapeuten und das ist für niemanden gut, ausser für seine Kasse.
     

  • Liebevoller Umgang mit den Klienten. Liebevoll meint nicht nur, nett und zuvorkommend zu sein, sondern schliesst explizit mit ein, auch unangenehme und möglicherweise tabuisierte Themen klar auszuprechen – im Sinne der Lösung. Dazu passt ein Sprichwort: „Einem Freund die Wahrheit zu sagen ist schmerzlich, ihn zu belügen tödlich“
     

  • Für den Klienten da sein, wenn es ihm im Nachgang zur Aufstellung schlecht gehen sollte.

 

Wie wähle ich einen Aufstellungsleiter/eine Aufstellungsleiterin?

Es gibt in der Branche der Familienaufsteller viele Therapeuten und Seminarleiter, welche ein paar Bücher von Bert Hellinger (oder anderen bekannten Exponenten) gelesen und an ein paar Seminaren teilgenommen haben. Diese haben möglicherweise - wie oben beschrieben - die «Mechanik» des Familienstellens mitbekommen, aber nicht die Essenz.

Erkundigen Sie sich deshalb vor einer Anmeldung persönlich/telefonisch nach

  • der Ausbildung und seiner Motivation

  • seiner Erfahrung und wie oft dieser solche Seminare anbietet

  • ist er/sie nebenberuflich tätig oder gibt es auch eine Praxis mit üblichen Öffnungszeiten für Vor- oder Nachbesprechungen

  • Lassen Sie dabei Ihr eigenes Bauchgefühl zu Worte kommen
    - Ist mir die Person sympathisch?
    - Passt diese Person zu mir?
    - Fühle ich mich gut verstanden?
    - Erhalte ich passende Antworten auf meine Fragen?
     

Und das wichtigste, wenn Sie die Person noch nicht kennen: Besuchen Sie ein Seminar als Stellvertreter/In, (oder Beobachter/In) und machen Sie sich so ein eigenes Bild.

 

 

Welche Themen können mittels einer Aufstellung betrachtet und einer Lösung zugeführt werden?

Einfach gesagt können Sie jedes Problem, jedes Thema aufstellen, sofern Sie persönlich oder Ihre Kinder davon betroffen sind.

Hier eine (unvollständige) Liste von möglichen Themen:

  • Beziehung: Konflikte, Trennung, Macht/Ohnmacht, Beziehungslosigkeit, Kontaktprobleme, Kinderlosigkeit, Aussenbeziehungen, Blockaden, Mischehe/Kulturunterschiede

  • schweres Schicksal: Abtreibung, Totgeburten, überlebender Zwilling, Adoption

  • Gewalt: Missbrauch, Kriegstraumata, Täter, Opfer

  • Herkunftsfamilie: Kein Kontakt zu Eltern/Geschwister, Konflikte, seinen Platz nicht haben, nicht selbstbestimmt sein, schwarzes Schaf, Geheimnisse, sich ausgestossen fühlen, keine Anerkennung, blockierte Kommunikation

  • Belastungen: Abschied, Trauer, Depressionen, Angst vor dem Tod, schwere Unfälle, Kraftlosigkeit, Suizid-Handlungen oder -Gedanken

  • Kinder: Erziehungsschwierigkeiten, Hyperaktivität, Schulleistungen, Passivität, Drogen, Pflegekinder, Konflikte mit anderen Kindern/Lehrern, Patchwork-Familien

  • Beruf: Entscheidung für neue Stelle/Selbständig machen, wiederholte Entlassung und dauernde Arbeitslosigkeit, Mobbing, Führungsschwierigkeiten, Burnout, auf keinen grünen Zweig kommen, Uebersehen werden, keine Anerkennung erhalten

  • Sucht: Drogen, Spielsucht, Geltungssucht

  • Geld: Verluste, Konkurse, Sanierungsschwierigkeiten, schwierige Erbschaften, Haus und Hof, Schwierigkeiten in Familienunternehmen

  • Entscheidungen: Neues Haus, Veränderung in Beziehung, sich Selbständig machen, neue Lebensausrichtung, Nachfolgeregelung in Familienbetrieb

  • Gefühle und Aengste: Phobien, Verlustangst, Existenzängste, Schuldgefühle, Selbstwert, Platzangst, Zwänge, Blockaden, Traumata

  • Gesundheit: Allergien, schwere Erkrankungen und Unfälle (v.a. wiederholt), Organe, Transplantation, Rückenschmerzen, Migräne, etc.

  • Werte: Entwurzelt sein, keinen Platz haben, Migration, sogenannte «Secondos»
     

Mögliche Fragestellungen über meine Herkunftsfamilie

Wenn Sie sich mit Ihrer Herkunftsfamilie genauer auseinander setzen wollen, ist es nicht nur sinnvoll, den Stammbaum zu betrachten, sondern auch zu eruieren, ob es schwere Schicksale in der "Galerie der Ahnen" gibt.

Hier eine Auswahl von Themen, welche diesbezüglich weiterhelfen können:

  • Was gibt es für schwere Schicksale in der Familie?

  • Wurde jemand aus der Familie ausgestossen?

  • Gibt es sogenannte "Schwarze Schafe"

  • Gibt es Abtreibungen, Aborte, Totgeburten, Tod der Mutter im Wochenbett?

  • Gibt es Täter in der Familie?

  • Gibt es Opfer von aussenstehenden Tätern?

  • Gibt es dramatisch Ereignisse (Unfälle, Krankheiten, Selbstmord, etc.)

  • Gibt es Ereignisse/Schicksale, die sich von Generation zu Generation wiederholen?

  • Wie war die Familie von Krieg betroffen (Flucht, Soldaten, Deserteure, Verschollene, etc.)

  • Gibt es "vererbte" Charaktermerkmale und Verhaltensmuster von Personen?

  • Gibt es spezielle Familienregeln, Vereinbarungen?

  • Gibt/gab es Geheimnisse?

  • Wer traf wichtige Entscheidungen für einen ganzen Clan?

  • Wie hat wer über andere Familienmitglieder gesprochen?

  • Wie wurde mit Geld umgegangen?

  • Wer hatte das letzte Wort?

  • Gab es Familienkrisen und wie wurde damit umgegangen?

  • Gab es Gewalt innerhalb der Familie?

  • etc.

Zur systematischen Erfassung dieser Aussagen eignet sich auch ein Genogramm

 

Genogramm

Hier möchten wir Ihnen die Anleitung zur Erstellung eines eigenen Genogramms anbieten. Dieses wird in unserem Vortrag «Einführung in das Familienstellen» (siehe Abendveranstaltungen) genau erläutert.

Ein sogenanntes «Genogramm» ist eine grafische Darstellung von biologischen und juristischen Informationen über eine Familie und geht über einen herkömmlichen Familien-Stammbaum hinaus. Mit einem Genogramm können Sie die Geschichte Ihrer Familie - also die Geschichte Ihrer eigenen Wurzeln - systematisch dokumentieren. Es kann Ihnen bei verschiedenen à  Fragestellungen helfen, die Uebersicht zu behalten.

Das Dokument ist selbsterklärend aufgebaut und mit Beispielen versehen, es sollte also keine Schwierigkeiten bieten. Bei Fragen zögern Sie aber bitte nicht, uns zu kontaktieren, wir helfen Ihnen gerne weiter.

Genogramm-Anleitung als PDF hier

 

Presseartikel im «Sarganserländer» über unseren Abendvortrag vom 9.1.2007

Presseartikel als PDF hier

Die heilsame Ordnung anerkennen

Im Auftrag des Samaritervereins Walenstadt referierten am Dienstag im Pfarreitreff Rägä-bogä André und Anke Hintermann zur systemischen Familien- oder Organisationsaufstellung.

Von Katrin Wetzig

Walenstadt. – Vor sehr interessiertem Publikum gab das Systemtherapeuten-Ehepaar André und Anke Hintermann aus Obfelden Einblick in die Anwendung der systemischen Familienaufstellung nach Bert Hellinger.

Die innere Ordnung einhalten

Seit Frühling 2006 betreiben die beiden eine selbstständige Praxis mit einem umfangreichen Angebot in Bezug auf Familienaufstellungen, aber auch als
Coaches oder Lebens- und Paarberater. Sie veranstalten Seminare und Vorträge. Bis zu ihrer Selbstständigkeit arbeiteten beide in ihren angestammten Berufen, im Bankensektor und als Juristin. Aus dieser Zeit entstammten sicherlich auch wichtige Erfahrungen in Bezug auf die menschliche Ordnung in Organisationen, in denen man ebenfalls mit einer Aufstellung wichtige positive Impulse für ein besseres Arbeitsklima setzen. Wie dies funktionieren kann, zeigte André Hintermann später an einem Fallbeispiel.

Einleitend wurde deutlich, wie wichtig und prägend familiäre Strukturen über die Kindheit hinaus wirken. Grundpfeiler menschlichen Daseins seien einerseits die Zugehörigkeit zu einem System, (bleibend wie in der Familie aber auch freiwillig wie beim Arbeitgeber), anderseits die Ordnung im System und der Ausgleich. So beschrieb André Hintermann das System als Mobilé. Wenn ein Teil in Bewegung gerate, so habe dies direkte Auswirkung auf alle anderen Teile, konkretisierte er.

Sich im Guten lösen können

Gewisse Prinzipien dürften nicht verletzt werden. Auch totgeschwiegene, abgetriebene Kinder oder Ausgeschlossene (vielleicht Behinderte oder Suchtkranke) seien Teil des Systems. Ihr Ausschluss bleibe nicht wirkungslos, weil sich Menschen, die unbewusst ihren Platz einnähmen, auf unerklärliche Art fehl am Platz fühlen könnten. So könnten körperliche Symptome darauf hinweisen, dass ein Kind unbewusst versuche, mit grossem Verantwortungsbewusstsein den fehlenden Vater zu ersetzen. Dies gelinge allerdings höchstens vordergründig, denn das Kind könne dadurch sein eigenes Leben nicht finden, erklärte Anke Hintermann.

Auch seien Hierarchien in der Familie zu entdecken. Unbewusst übernähmen Menschen Reaktionsmuster aus vorhergehenden Generationen. Die Familienaufstellung bringe ans Licht, wo die innere Ordnung durcheinander geraten sei und sei so Grundvoraussetzung, um sich im Guten von dieser fehlerhaften Struktur zu lösen, um „heil zu werden“.

Geben und Nehmen im Einklang

Als Hilfsmittel präsentierte André Hintermann an einem Beispiel nicht nur auf verblüffende Art die Wirkung lebender Stellvertreter, die prompt gefühlsmässig im Raum agierten, sondern auch kleine Holzfigürchen, Klebezettelchen und so genannte Bodenanker (farbige, richtungsmarkierte „Fuss-abdrücke“). Bei lebenden Stellvertretern sei immer auf unerklärliche Art eine gefühlsmässige Reaktion zu beobachten – sogar körperliche Symptome seien dabei manchmal festzustellen berichtete Anke Hintermann. Was mit „Ausgleich“ gemeint sei, erklärte André Hintermann am Beispiel einer Bankangestellten, die den angehäuften Schuldenbetrag ihres Partners abzahlte. Hier sah der Fachmann persönliche Probleme aufkommen, da es dem Partner nie möglich sein würde, diese grosse Grabe zurückzuzahlen. Es sei wichtig, dass Geben und Nehmen sich die Waage hielten, um schlechte Gefühle zu vermeiden.

Zur Vertiefung

Unter www.2hintermann.ch gibt es nützliche Hinweise für Personen, die das Thema vertiefen möchten. In Zusammenarbeit mit der Naturheilpraxis Eveline Tschirky, Walenstadt, bietet das Paar am 5. und 6. Mai 2007 in Weisstannen ein Familien-, Berufs- und Lösungsaufstellungsseminar an. (kw)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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